Prof. Dr. Peter Kruse über die Netzwerkkultur im Internet. Uns Guido sagte zum Internet: “[...]es ist für mich mehr so ganz einfaches Instrument, wie ein Hammer, oder ein Nagel.” Herr Kruse macht klar deutlich, warum das Internet eine Revolution bedeutet. Überlegt selber, wer eher Recht hat. Die Folien zum Vortrag gibt er hier.

(via Blogpiloten)


Eine Gruppe von Bloggern, Journalisten und anderen Webenthusiasten hat heute ein 17 Punkte umfassendes Internet-Manifest veröffentlicht. Es handelt sich hierbei um grundlegende Thesen zum Selbst- und Rechtsverständnis des Internets. Ich veröffentliche hier einmal die komplette Thesenliste, wer mag kann sie aber auch direkt auf internet-manifest.de lesen. Am Ende dann einige Worte von mir zu den Thesen.

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Das Internet-Manifest. Wie Journalismus heute funktioniert. 17 Behauptungen.


1. Das Internet ist anders.
Es schafft andere Öffentlichkeiten, andere Austauschverhältnisse und andere Kulturtechniken. Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln – das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit ein.

2. Das Internet ist ein Medienimperium in der Jackentasche.
Das Web ordnet das bestehende Mediensystem neu: Es überwindet dessen bisherige Begrenzungen und Oligopole. Veröffentlichung und Verbreitung medialer Inhalte sind nicht mehr mit hohen Investitionen verbunden. Das Selbstverständnis des Journalismus wird seiner Schlüssellochfunktion beraubt – zum Glück. Es bleibt nur die journalistische Qualität, die Journalismus von bloßer Veröffentlichung unterscheidet.

3. Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet.
Für die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt gehören Angebote wie Social Networks, Wikipedia oder Youtube zum Alltag. Sie sind so selbstverständlich wie Telefon oder Fernsehen. Wenn Medienhäuser weiter existieren wollen, müssen sie die Lebenswelt der Nutzer verstehen und sich ihrer Kommunikationsformen annehmen. Dazu gehören die sozialen Grundfunktionen der Kommunikation: Zuhören und Reagieren, auch bekannt als Dialog.

4. Die Freiheit des Internet ist unantastbar.
Die offene Architektur des Internet bildet das informationstechnische Grundgesetz einer digital kommunizierenden Gesellschaft und damit des Journalismus. Sie darf nicht zum Schutz der wirtschaftlichen oder politischen Einzelinteressen verändert werden, die sich oft hinter vermeintlichen Allgemeininteressen verbergen. Internet-Zugangssperren gleich welcher Form gefährden den freien Austausch von Informationen und beschädigen das grundlegende Recht auf selbstbestimmte Informiertheit.

5. Das Internet ist der Sieg der Information.
Bisher ordneten, erzwungen durch die unzulängliche Technologie, Institutionen wie Medienhäuser, Forschungsstellen oder öffentliche Einrichtungen die Informationen der Welt. Nun richtet sich jeder Bürger seine individuellen Nachrichtenfilter ein, während Suchmaschinen Informationsmengen in nie gekanntem Umfang erschließen. Der einzelne Mensch kann sich so gut informieren wie nie zuvor.

6. Das Internet verändert verbessert den Journalismus.
Durch das Internet kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen. Dazu gehört die Darstellung der Information als sich ständig verändernder fortlaufender Prozess; der Verlust der Unveränderlichkeit des Gedruckten ist ein Gewinn. Wer in dieser neuen Informationswelt bestehen will, braucht neuen Idealismus, neue journalistische Ideen und Freude am Ausschöpfen der neuen Möglichkeiten.

7. Das Netz verlangt Vernetzung.
Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schließt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus. Das gilt auch für die Online-Auftritte klassischer Medienhäuser.

8. Links lohnen, Zitate zieren.
Suchmaschinen und Aggregatoren fördern den Qualitätsjournalismus: Sie erhöhen langfristig die Auffindbarkeit von herausragenden Inhalten und sind so integraler Teil der neuen, vernetzten Öffentlichkeit. Referenzen durch Verlinkungen und Zitate – auch und gerade ohne Absprache oder gar Entlohnung des Urhebers – ermöglichen überhaupt erst die Kultur des vernetzten Gesellschaftsdiskurses und sind unbedingt schützenswert.

9. Das Internet ist der neue Ort für den politischen Diskurs.
Demokratie lebt von Beteiligung und Informationsfreiheit. Die Überführung der politischen Diskussion von den traditionellen Medien ins Internet und die Erweiterung dieser Diskussion um die aktive Beteiligung der Öffentlichkeit ist eine neue Aufgabe des Journalismus.

10. Die neue Pressefreiheit heißt Meinungsfreiheit.
Artikel 5 des Grundgesetzes konstituiert kein Schutzrecht für Berufsstände oder technisch tradierte Geschäftsmodelle. Das Internet hebt die technologischen Grenzen zwischen Amateur und Profi auf. Deshalb muss das Privileg der Pressefreiheit für jeden gelten, der zur Erfüllung der journalistischen Aufgaben beitragen kann. Qualitativ zu unterscheiden ist nicht zwischen bezahltem und unbezahltem, sondern zwischen gutem und schlechtem Journalismus.

11. Mehr ist mehr – es gibt kein Zuviel an Information.
Es waren einst Institutionen wie die Kirche, die der Macht den Vorrang vor individueller Informiertheit gaben und bei der Erfindung des Buchdrucks vor einer Flut unüberprüfter Information warnten. Auf der anderen Seite standen Pamphletisten, Enzyklopädisten und Journalisten, die bewiesen, dass mehr Informationen zu mehr Freiheit führen – sowohl für den Einzelnen wie auch für die Gesellschaft. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

12. Tradition ist kein Geschäftsmodell.
Mit journalistischen Inhalten lässt sich im Internet Geld verdienen. Dafür gibt es bereits heute viele Beispiele. Das wettbewerbsintensive Internet erfordert aber die Anpassung der Geschäftsmodelle an die Strukturen des Netzes. Niemand sollte versuchen, sich dieser notwendigen Anpassung durch eine Politik des Bestandsschutzes zu entziehen. Journalismus braucht einen offenen Wettstreit um die besten Lösungen der Refinanzierung im Netz und den Mut, in ihre vielfältige Umsetzung zu investieren.

13. Im Internet wird das Urheberrecht zur Bürgerpflicht.
Das Urheberrecht ist ein zentraler Eckpfeiler der Informationsordnung im Internet. Das Recht der Urheber, über Art und Umfang der Verbreitung ihrer Inhalte zu entscheiden, gilt auch im Netz. Dabei darf das Urheberrecht aber nicht als Hebel missbraucht werden, überholte Distributionsmechanismen abzusichern und sich neuen Vertriebs- und Lizenzmodellen zu verschließen. Eigentum verpflichtet.

14. Das Internet kennt viele Währungen.
Werbefinanzierte journalistische Online-Angebote tauschen Inhalte gegen Aufmerksamkeit für Werbebotschaften. Die Zeit eines Lesers, Zuschauers oder Zuhörers hat einen Wert. Dieser Zusammenhang gehört seit jeher zu den grundlegenden Finanzierungsprinzipien für Journalismus. Andere journalistisch vertretbare Formen der Refinanzierung wollen entdeckt und erprobt werden.

15. Was im Netz ist, bleibt im Netz.
Das Internet hebt den Journalismus auf eine qualitativ neue Ebene. Online müssen Texte, Töne und Bilder nicht mehr flüchtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Journalismus muss die Entwicklungen der Information, ihrer Interpretation und den Irrtum mitberücksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren.

16. Qualität bleibt die wichtigste Qualität.
Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist. Die Ansprüche der Nutzer sind gestiegen. Der Journalismus muss sie erfüllen und seinen oft formulierten Grundsätzen treu bleiben.

17. Alle für alle.
Das Web stellt eine den Massenmedien des 20. Jahrhunderts überlegene Infrastruktur für den gesellschaftlichen Austausch dar: Die “Generation Wikipedia” weiß im Zweifel die Glaubwürdigkeit einer Quelle abzuschätzen, Nachrichten bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen und zu recherchieren, zu überprüfen und zu gewichten – für sich oder in der Gruppe. Journalisten mit Standesdünkel und ohne den Willen, diese Fähigkeiten zu respektieren, werden von diesen Nutzern nicht ernst genommen. Zu Recht. Das Internet macht es möglich, direkt mit den Menschen zu kommunizieren, die man einst Leser, Zuhörer oder Zuschauer nannte – und ihr Wissen zu nutzen. Nicht der besserwissende, sondern der kommunizierende und hinterfragende Journalist ist gefragt.

Internet, 07.09.2009

* Markus Beckedahl
* Mercedes Bunz
* Julius Endert
* Johnny Haeusler
* Thomas Knüwer
* Sascha Lobo
* Robin Meyer-Lucht
* Wolfgang Michal
* Stefan Niggemeier
* Kathrin Passig
* Janko Röttgers
* Peter Schink
* Mario Sixtus
* Peter Stawowy
* Fiete Stegers

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Aus der Sicht eines Bloggers und Twitterusers wird schnell deutlich wie absurd der Versuch erscheint das gängige Urheberrecht dem Internet überzustülpen. Somit wird jedes Zitat zur Rechtsverletzung, ein einzelner Tweet erhält das Potential einen hunderte Euros zu kosten und bloggen wird zum Risiko für die eigene finanzielle Lebensplanung.

In Deutschland wird das Internet von Gesellschaft, Kultur und Politik immer noch als “nette Randerscheinung” angesehen. Beispielhaft hierfür sind die Debatte um die Onlineauftritte der GEZ-finanzierten TV-Sender, die gelinde gesagt zaghafte Förderung von Internet basierten Kulturprojekten oder die nicht vorhandenen Kompetenzen eines Großteils aller politischen Spieler. Am schlimmsten ist meiner Ansicht nach aber die Ignoranz der “alten Medien” die nach wie vor versuchen sich mit aller Kraft gegen das Internet zu stemmen. So lange diese Blockadehaltung in Good Old Germany anhält werden wir weiterhin den Entwicklungen in anderen Staaten hinterher hinken.


Dank Twitter wird man doch sehr oft auf so einiges Interessantes aufmerksam gemacht.

Das App-Prinzip: Warum einfache Strukturen oft einfach besser sind und was man von den kleinen iPhone Anwendungen lernen kann könnt ihr bei selbstaendig-im-netz.de lesen.

Lebenslauf: So oft werden kreative Bewerbungen verlangt. Eine wunderbare Idee könnt ihr bei Michal Anderson sehen.

Zeitmanagment: Wer kennt ihn nicht, den Wunsch der Tag solle 48 Stunden haben. Die Organisation des Arbeitsalltags kann mit Zeitmanagmentsoftware unterstützen. mac.appstorm.net bietet hierzu eine kleine Übersicht über solche Programme.

Erziehung: “Bildungsangst” ist das Stichwort des Artikels bei zeit.de. Eltern und ihre Angst vor einem dummen Kind, oder das Streben nach dem Mittelmaß. Danke Eiland für den Hinweis.


stopp

Was ist passiert in den letzten Tagen, was hat so viele bewegt und schließlich, was bringt uns trotzdem zum Lachen.

Zensursula: Heute hat der Bundestag mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD das Gesetz zur Erstellung von Sperrlisten im Internet beschlossen. Traurig, trotz vorherigem Protest haben sich fast alle SPD-Abgeordneten dem Fraktionszwang gefügt. Traurig auch, dass die Grünen zu feige waren sich für ja oder nein zu entscheiden. Traurig kann dieser Tag also sein.

Die Ereignisse der letzten Woche und was davon bleibt findet ihr auf www.metronaut.de sehr schön zusammengefasst.

Auf spd-bundestag.de und cdu-bundestag.de seht ihr wie das Internet in Zukunft aussehen kann. Eine feine kleine Satire Aktion.

Urheberrecht: Ein Interview mit Lawrence Lessig, dem Gründer der Creative Commons findet ihr auf zeit.de

Bildungsstreik: Einfach nochmal ein paar Impressionen vom Mittwoch

Chicken: Zum Schluss noch etwas zum lachen und gleichzeitig auch ein Denkanstoß für Präsentationen und Referate im Studium. Worauf kommt es an, worauf nicht?


Ihr erinnert euch noch an EIN ♥ FÜR BLOGS. Ich habe mich damals begeistert dazu geäußert, aber dann nichts konstruktives geschafft. Das soll jetzt anders werden. Es soll grundsätzlich anders werden. Ich werde nicht nur Blogs vorstellen und es wird nicht eine einmalige Aktion sein. Im täglichen Alltag des Netzes entdecke ich soviel Interessantes das vielleicht für den einen oder anderen auch Interessant ist, ich habe solche Links früher über ICQ oder Mail verschickt, immer nur an einzelne Personen. Wir nannten es abfällig Linkspam, das ist es aber oft eben nicht. Ich werde ab jetzt in regelmäßig unregelmäßiger Regelmäßigkeit die Reihe LESENSWERT fortführen die hier ihren Anfang findet. Das ist nicht neu und auch nicht innovativ, das ist Blogalltag. Ich mag Alltag, er hat etwas unalltägliches.

LESENSWERT: #1

Radspannerei: Ein kleiner aber feiner Fahrradladen aus Berlin. Eine der ganz wenigen Möglichkeiten in Deutschland an die Reelights zu kommen, die ich selber begeistert nutze und über die ich bereits früher schon einmal berichtete. Super ist vor allem auch der Blog der Radspannerei. Dort geht es um alles rund ums Fahrrad im Alltag, vor allem auch um die Sicherheit im Straßenverkehr durch Verkehrsplanung.

trackstand.com: Fixies und alles um die Community drum herum. Vor allem die Videosammlung macht Spass.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,628017,00.html: Der Artikel ist zwar mittlerweile schon einige Wochen alt und Generation C64 stimmt einfach auch nicht, aber trotzdem macht er eine Sache ganz deutlich. Die Politik verschläft eine Entwicklung und die ach so Politikimmune jüngere Generation beginnt sich zu bewegen. Auch wenn es sich schon viel länger abzeichnete, mit Obama wurde es den ersten klar, in Deutschland hilft die #zensursula Debatte und spätestens die aktuelle Lage im Iran sollte jedem klar machen, dass Twitter NICHT sinnlos ist.

ODE AN BENTO: Ein feiner Artikel über die japanische Kunst der Lunchpakete. Achtung Mädels, ich will euer schönstes Japan-Fan-Quieken hören!